Langsam kriecht die morgendliche Feuchtigkeit meine nackten Beine hinauf. Der Saum meines Nachthemds fühlt sich ganz feucht an und ich halte ihn etwas nach oben, so dass ich ungehindert weitergehen kann. Es drängt mich weiterzugehen, im feuchten Gras, den Hügel hinunter, über die Nebelschwaden hinweg, bis hin zum Haus seiner Familie. So nah und doch so fern, das ist es wohl. Ich seufze auf und denke an ihn. So viele Jahre träume ich schon von ihm. Eigentlich schon immer. Und jetzt ist er zurück. Zu seiner Familie zurückgekehrt. Ich weiß nicht warum, aber es ist mir auch egal. Ich weiß nur, dass er diesen Weg hier gehen muss, von der Stadt hinunter, Richtung Fluß, wie in jedem anderen April vor so vielen Jahren.

Einmal bin ich ihm nachgeschlichen und habe ihn beobachtet. Wie er in den aprilklaren Arno gesprungen ist. Mit einer einzigen fließenden Bewegung seines wunderschönen Körpers. Das Bild seines breiten Rückens werde ich nie vergessen können.

Manchmal sind wir uns auch begegnet. Ganz früh am Morgen zwischen den Hügeln, auf dem Weg zur Badestelle. Aber ich habe seinen Blick nie auffangen können. Für ihn war ich immer nur die kleine Schwester seines besten Freundes. Das hat mir mein Bruder mal gesagt. Es hat mich tief getroffen.

Wenn meine Gedanken nur mehr Kraft hätten, dann wäre er jetzt zu sehen. Unten am Fuß des anderen Hügels. Zwischen den Nebelschwaden würde sein dunkler Kopf auftauchen. Seine breiten Schultern schauten aus dem Nebel heraus und er würde sich nähern. Kräftigen Schrittes. Ich würde meinen Blick heben und herausfordernd in seine Augen schauen. Ich habe mich verändert. Ich bin kein Kind mehr und das wird er sehen können.

Entschlossen ziehe ich den Saum meines Hemds höher und schaue beschwörend auf die wabernden Nebelschwaden. Er wird kommen, dieses Mal wird er kommen. Und ich werde ihm mutig entgegengehen. Er wird mich erkennen und nicht an mir vorbei gehen können.

Nicht mehr so wie früher. Obwohl ich ihm beim Turnier immer mit seinem Pferd geholfen habe. Er ist einfach immer nur aufgesessen und weggeritten, ohne mich auch nur überhaupt wahrzunehmen. Und wenn er meinen Bruder, wie so oft, besiegt hatte, waren sie alle da, diese schnatternden Mädchen, farbenschreiend, die ich alle so gehasst habe. …

Aber egal, dass ist Vergangenheit.

Heute kann einfach alles anders werden. Das spüre ich tief in mir. In meinem Kopf sehe ich ihn, wie er vor mir steht und mich mit seinen dunkelbraunen Augen anschaut. Das Ziehen in meinem Bauch wird so stark, dass es mir kurz den Atem nimmt. Ich muss etwas tun. Ich kann nicht weiter nur jeden Tag auf dem Hügel stehen und mich in meinen Träumen verlieren. Und ich habe da schon lange einen guten Gedanken in mir…..

Fortsetzung folgt..

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen